Rudolf Steiner an einer internen Tagung der AG in Stuttgart, September 1923 :
"Sehen Sie, meine lieben Freunde, zu den schmerzlichsten Dingen in einem tieferen Sinne gehört, trotzdem vieles darinnen ausserordentlich schmerzlich ist, gehört doch dasjenige noch nicht, was uns heute in einer so bedrückenden, furchtbar schrecklichen Weise umgibt und was durchaus noch schrecklicher werden wird. Zum Allerschmerzlichsten gehört das alles noch nicht.
Zu dem Allerschmerzlichsten gehört schon etwas, was dazumal - wenn auch nur in einer andeutenden Weise - schon im Aufruf an das deutsche Volk darinnen stand, gehört das, dass in der Gegenwart - in einem starken Sinn gerade in Mitteleuropa - die mitteleuropäische Vergangenheit in geistiger Beziehung vielfach verleugnet wird, vergessen worden ist. Aber heute ist die Sache so, dass jenes mitteleuropäische Wollen - trotz des (gegenwärtigen) physischen Elends - in einer gewissen Art der Auferstehung harrt. Es erregt dasjenige, was da im Hintergrund steht, wirklich ganz bedeutsame Empfindungen. Es harrt manches von dem, was an Geistesleben Mitteleuropas sogar wie begraben scheint, es harrt einer gewissen Zukunft. Man wird in weitesten Kreisen der Welt, in verhältnismässig gar nicht langer Zeit dasjenige, was sogar hier vielfach heute verleugnet wird von älterer mitteleuropäisch-geistiger Gesinnung, mit Sehnsucht ergreifen wollen ...
(Es wäre jedoch) das Furchtbarste, dass, wenn die Welt schreien wird - und das wird sie in verhältnismässig nicht langer Zeit tun - zu ihrer eigenen Rettung nach der Auferstehung des mitteleuropäischen Geisteslebens, dass dann in Mitteleuropa die Menschen, … die dann an wichtiger geistiger Stelle stehen - diesen Ruf nicht verstehen könnten.
Wenn man sagen muss, dass die Welt ausserhalb Mitteleuropas heute auf eine Geistigkeit wartet, dann wäre es sehr schlimm, wenn man es erleben müsste, dass die mitteleuropäische Menschheit nicht auf diese Geistigkeit wartet. Denn das wäre ein allergrösster Verlust für Welt. Das wäre eine der furchtbarsten Katastrophen, die die Erde erleben könnte, wenn einmal gegen Mitteleuropa herein der Ruf ergeht - mag dann das Äußere so oder so aussehen - wenn der Ruf herein ergeht: dieses Geistesleben brauchen wir, und in Europa würde man achtlos an diesem Ruf vorübergehen, weil man es selber nicht schätzen könnte, dieses (vergangene) mitteleuropäische Geistesleben.
Gedenken wir heute des Umstandes, dass es vielleicht die Mission gerade des mitteleuropäischen Menschen sein könnte, in der allernächsten Zeit aus dem Wesen der mitteleuropäischen Geistigkeit heraus zu verstehen, was die Welt von Mitteleuropa wird empfangen wollen, denn es wäre furchtbar, wenn man dann in Mitteleuropa niemand hätte, der ein Verständnis für dieses Geben haben würde." |